Keinen Euro für den Fighter
Friedensforum 4/96
Im Jahr 1991 beeinflußte die Dasa mit dem - an alle MdBs verschickten Positionspapier "8 Gute Gründe für EFA" die Entscheidung zugunsten der Fortführung des Projekts eines europäischen Jagdflugzeugs Jäger 90 (EFA) unter dem neuen Etikett "Eurofighter 2000" (NEFA). Das Rüstungs-Informationsbüro Baden-Württemberg (RIB) führt heute "8 Gute Gründe gegen den Eurofighter" an, denn im Herbst ist die endgültige Entscheidung für das Projekt im Bundestag geplant. Die Argumente können auch als Flugblatt beim RIB in Freiburg bestellt werden.
- 1. Der Eurofighter ist ein Fossil des Kalten Krieges
Ursprünglich als Abfangjäger gegen die sowjetische MiG-29 konzipiert, ist der
Eurofighter ('Jäger 90') ein Relikt aus der Zeit der Blockkonfrontation. Seit 1990 hat sich
die Situation grundlegend gewandelt. Selbst die Bundeswehr muß zugeben, daß
Deutschland ausschließlich von befreundeten Staaten umgeben ist. Ein Luftangriff auf
das deutsche Territorium gilt heute als utopisch.
- Der Eurorighter dient als Instrument einer aggressiven Außenpolitik mit
militärischen Mitteln
Der Eurofighter ist Teil einer qualitativen Aufrüstungswelle, die im Zusammenhang mit
der neuen NATO-Strategie und der Umstrukturierung der Bundeswehr
(Krisenreaktionskräfte) erfolgt. Er ist notwendiger Bestandteil der von der
Bundesregierung angestrebten Außenpolitik mit militärischen Mitteln. Seine Beschaffung
ist jedoch friedenspolitisch schädlich. Statt dessen sollte sich die Bundesregierung
glaubwürdig an nicht-militärischer Konfliktvorbeugung beteiligen.
- Der Eurofighter ist nicht leistungsfähiger als die heutige MiG-29
Was der Eurofighter können soll, das kann heute bereits die russische MiG29, von der
sich 24 Flugzeuge im Bestand der Bundeswehr befinden. Gesetzt den Fall, wir brauchten
zur Landesverteidigung tatsächlich neue Jagdflugzeuge, dann könnten weitere MiG-29
problemlos und wesentlich kostengünstiger aus Rußland bezogen werden.
- Nicht die militärische Luftfahrt gibt technologische Impulse für die Zivilluftfahrt die Eurofighter Technologie lebt vielmehr von zivilen Impulsen
Schon 1987 hat die Bundesregierung festgestellt, daß "der technologische spin-off-Effekt
militärischer Entwicklungen für den zivilen Bereich vergleichsweise gering einzuschätzen
ist" Die militärische Luftfahrt profitiert von Entwicklungen im zivilen Bereich. Der
Eurofighter hat keine nennenswerte Impulsfunktion für zivilen Flugzeugbau.
- Die tatsächlichen Kosten des Eurofighters werden von Hardthöhe und
Rüstungsindustrie nach unten manipuliert. Die Steuerzahler werden nachträglich
zur Kasse gebeten, die Rüstungsindustrie profitiert von den Riistungsexporten
Im Bundeshaushalt sind für die nächsten Jahre 13,5 Milliarden DM für den Eurofighter
vorgesehen. Dabei sagt selbst der Bundesrechnungshof, daß mit Gesamtkosten in Höhe
von 30,6 Milliarden DM aus Steuermitteln zu rechnen ist. Die Rüstungsindustrie dagegen
spekuliert auf eine Gewinnsteigerung durch den Export des Eurofighters, z.B. in den Nahen Osten und nach Südostasien.
- 6. Durch zivile Alternativproduktion könnten mit diesen Finanzmitteln mehr Arbeitsplätze in Zukunftstechnologien geschaffen werden als in der Eurofighter-Fertigung. Im Sozialbereich läge die Zahl der Arbeitsplätze rund dreimal so hoch
Mit den im Bundeshaushalt (viel zu niedrig) veranschlagten 13,5 Milliarden DM könnten
ersatzweise langfristig mehr Arbeitsplätze in den entsprechenden Industrien durch eine
sinnvolle zivile Produktion (Verkehrstechnologie, dezentrale Stromversorgung,
Energiespeicherung) gesichert werden ' Im Sozial-, Erziehungs- und Pflegcbereich
könnten mit den Eurofighter-Geldem dreimal so viele neue Stellen geschaffen werden.
- Der Bau des Eurofighters würde den Umbau der militärischen Luftfahrtindustrie
auf zivile Fertigung (Konversion) für lange Zeit blockieren. So verpassen die
beteiligten Firmen die Chance, den Weltmarkt mit innovativen zivilen Produkten zu
erschließen. Künftiger Stellenabbau ist vorprogrammiert
Als größtes und teuerstes Rüstungsprojekt in der europäischen Militärgeschichte bindet
der Eurofighter Ressourcen (Finanzen, technologisches Knowhow etc.). Mit der
Eurofighter-Produktion würden notwendige Strukturveränderungen in der
Rüstungsindustrie für mindestens zweieinhalb Jahrzehnte weitgehend verhindert. Auf
einem zunehmend ökologische Produkte nachfragenden Weltmarkt erhöht dies nicht die
Attraktivität des Standorts Deutschland.
- Ein Verzicht auf den Eurofighter ist rechtlich möglich
Der Verzicht auf die Produktion des Eurofighters würde keine Ersatzzahlungen
(Konventionalstrafen, Lohnersatzleistungen und dergleichen) nach sich ziehen, da
keinerlei vertragliche Verpflichtung besteht, den Eurofighter zu bauen. Spanien
beispielsweise erwägt bereits den Ausstieg aus dem Eurofighter-Programm.
Eurofighter stoppen - soziale Sicherheit schaffen
Die Bonner Hardthöhe hält weiterhin am "Eurofighter" fest, obwohl zahlreiche internationale
Fachleute das Jagdflugzeug für strategisch unsinnig und ökonomisch unvernünftig halten.
Sogar der Bundesrechnungshof hält die vom Bundesverteidigungsministerium und
Lobbyisten der Rüstungsindustrie gemachten Angaben über die Kosten des Eurofighters für
unrealistisch. I"aut Bundesrechnungshof muß mit einem Stückpreis von mindestens 170
Mio. DM gerechnet werden - d.h. über 30 Milliarden DM Gesamtkosten für 180 Flugzeuge!
Wir können und wollen uns den sündhaft teuren Eurofighter nicht leisten. Das Geld wird
dringend gebraucht: für die Schaffung sinnvoller ziviler Arbeitsplätze, für den Erhalt und
Ausbau des Sozial- und Pflegebereichs sowie des Bildungswesens.
Die "Acht guten Gründe gegen den Eurofighter" können als Flugblatt für Aktionen und
Infostände gegen Spende beim RIB Baden-Württemberg e.V.
Stühlinger Straße 7
79106 Freiburg
Postadresse: Postfach 5261, 79019 Freiburg
Tel. 0761-7678088
Fax 0761-7678090
E-Mail: ribfr@breisnet-online.de
Homepage: www.rib-ev.de
Jürgen Grässlin ist Vorsitzender des RIB e.V. und Sprecher des Dachterbandes Kritische
AktionärInnen DaimlerBenz
Created: 12.08.97 Updated: 30.12.1998