Teuer, unmodern, überflüssig: Das 23-Milliarden-Projekt Eurofighter
17. 08. 2000 (Quelle: Hamburger Abendblatt)
Neuerdings soll er "Taifun" heißen, wohl weil auch das erste Projekt europäischer Luftrüstung den Namen eines Sturms trägt: "Tornado". Doch gleich ob Taifun, Eurofighter oder Jäger 90, das neue Jagdflugzeug, mit dem die Geschwader der Luftwaffe ab 2002 ausgerüstet werden sollen, wird das teuerste Beschaffungsprojekt der Bundeswehr. Mindestens 23 Milliarden
Mark wird der Superflieger kosten, den Kritiker schlicht als das "unsinnigste Projekt der Militärgeschichte" bezeichnen.Seit Anfang der Woche sitzt Verteidigungsminister Rudolf Scharping mit den Inspekteuren der Teilstreitkräfte und den Beschaffungsexperten aus dem Verteidigungsministerium zusammen, um eine Sparliste aufzustellen. Welche der Fahrzeuge, Flugzeuge und Schiffe kann sich die Bundeswehr leisten?
Auf der Einkaufsliste des Verteidigungsministers ist der dickste Brocken ausgerechnet ein Flugzeug, das schon während seiner mittlerweile 20 Jahre währenden Entwicklung laufend kritisiert worden ist und dessen Wert für die Luftwaffe vor dem Hintergrund zukünftiger Aufgaben zweifelhaft ist. Denn eines ist klar: Der Eurofighter wurde zu Zeiten des Kalten Krieges konzipiert. Er sollte - damals noch Jäger 90 genannt - Flugzeuge des Warschauer Paktes abfangen und die Luftüberlegenheit sicherstellen.
Dies traute man der "Phantom", einem amerikanischen Jagdflugzeug, dessen erste Baumuster schon 1960 flogen, nicht mehr zu. Doch die Bedrohung schmolz dahin, noch bevor sich der Jäger 90 in die Lüfte erhob. So paradox es klingt: Die legendäre MiG 29, die der Eurofighter einst bekämpfen sollte, trägt heute selbst die Bemalung der Luftwaffe.
Doch damit nicht genug der Ungereimtheiten. 1992 sagte der damalige Verteidigungsminister Volker Rühe, der Jäger 90 sei tot. Zur Begründung führte er an, die Kostenobergrenze von 90 Millionen Mark werde deutlich überschritten, es bestehe Anpassungsbedarf an die neue sicherheitspolitische Lage. Doch da die Entscheidung zur Planung des Supervogels nun einmal gefallen war, beschloss die damalige Bundesregierung nicht, sich auf dem Markt nach einer Alternative, etwa der amerikanischen F 18 "Hornet", umzusehen. Der Jäger 90 hieß von nun an Eurofighter. Die Version sei "abgespeckt", so Rühe damals.
Heute kostet die "abgespeckte Version" mit 123 Millionen Mark Systempreis pro Stück - darin sind Ersatzteile, Ausbildungs- und Simulatorkosten eingerechnet - mehr als die vor acht Jahren für zu teuer befundene Vollversion. Dennoch soll sie angeschafft werden, 180 Stück gleich. Und dies, obwohl der Bundesrechnungshof im September 1997 ausdrücklich empfohlen hat, nicht mehr als 100 Eurofighter anzuschaffen, weil das Flugzeug zu teuer und nicht ausgereift sei.
Mittlerweile argumentieren sogar Befürworter des Projekts nicht mehr mit militärischer Notwendigkeit, sondern wirtschaftlich: Ohne den Eurofighter gerate die europäische Luftfahrtindustrie gegenüber den Amerikanern zu sehr ins Hintertreffen. Know-how sei auch beim Militärflugzeugbau wichtig.
Doch ins Hintertreffen sind die Flugzeugbauer schon längst geraten. Entgegen aller Beteuerungen ist der Eurofighter schon nicht mehr der letzte Schrei. Flugzeuge wie die amerikanische F 22 "Raptor" fliegen mit Tarnkappen-Technologie und schwenkbaren Schubdüsen. Selbst Russland hat schon wieder Prototypen mit dieser Technologie gebaut. Ob Scharping und die Bundesregierung die notwendigen Konsequenzen aus diesen Fakten ziehen werden, ist fraglich. Die zogen inzwischen die Norweger. Sie haben die Beschaffung von drei Dutzend Eurofightern auf unbestimmte Zeit verschoben.