Topmanagement für Europas Luftfahrtkonzern ist komplett

Der Börsengang wird für Ende Juni angestrebt

15. 02. 2000 (Quelle: Berliner Zeitung)


Europas künftiger Luft- und Raumfahrtriese EADS soll pünktlich abheben. Die Partner Dasa, Aerospatiale Matra und die spanische Casa halten trotz der ausstehenden Kartellprüfungen an ihrem ehrgeizigen Zeitplan fest, die EADS noch im zweiten Quartal zu gründen. Der Börsengang ist für Ende Juni vorgesehen, kündigten die beiden künftigen EADS-Vorstandschefs, Rainer Hertrich und Philippe Camus, am Montag in Amsterdam an.

Als Marktwert der alten und neuen Aktien, die an die Börse kommen, nannte Camus rund fünf Milliarden Euro (9,78 Milliarden Mark). In den nächsten Tagen werde bei den Brüsseler Wettbewerbsgremien der Antrag auf Genehmigung des Zusammenschlusses gestellt. Eine Antwort werde in vier bis sechs Wochen erwartet, sagte Hertrich. "Wir sind optimistisch", betonte Camus. Die Daimler-Chrysler-Tochter Dasa und die französische Aerospatiale Matra hatten vergangenen Oktober ihren Zusammenschluss zum drittgrößten Luft- und Raumfahrtkonzern der Welt bekannt gegeben. Im Dezember schloss sich die Casa an. Der Dreierbund DaimlerChrysler Aerospace AG (Dasa/München), Aerospatiale Matra und Casa kommt auf rund 42 Milliarden Mark Jahresumsatz und knapp 100 000 Beschäftigte.

Die beiden designierten EADS-Aufsichtsratschefs Manfred Bischoff und Jean-Luc Lagardere gaben in Amsterdam die Vorstandsmitglieder bekannt. In die elf Mitglieder umfassende Führungsriege werden fünf Deutsche, fünf Franzosen und ein Spanier rücken. Die doppelte Führungsspitze mit Hertrich (50) von der Dasa und Aerospatiale-Matra-Chef Camus (51) war bereits bekannt. Als neuer Finanzchef ist Axel Arendt (50) von der Dasa vorgesehen. Den gesamten Airbus-Bereich der drei Partner, die 80 Prozent am europäischen Flugzeubaukonsortium halten, soll Airbus-Chef Noel Forgeard (53) leiten. Der deutsche Airbus-Chef Gustav Humbert (50) wird die Nummer zwei hinter Forgeard.

Trotz der Kritik aus Großbritannien an dem Übergewicht der EADS beim Airbus-Konsortium, an dem BAE Systems (früher British Aerospace) beteiligt ist, rechnet Camus mit einer baldigen Einigung mit den Briten. Airbus soll von einer Interessengemeinschaft in eine schlagkräftige Kapitalgesellschaft umgewandelt werden. "Ein Börsengang ist aber nicht geplant", betonte Camus. Die Briten würden an der neuen Gesellschaft nicht mehr als ihren bisherigen Airbus-Anteil von 20 Prozent erhalten. Falls sich dieser Anteil ändere, sei ein finanzieller Ausgleich möglich, sagte Camus. Er schloss aus, dass die BAE Systems in den nächsten Jahren als Partner bei der EADS einsteigen könnte.

Mit Blick auf den französischen Kampfflugzeughersteller Dassault betonte Camus indes, wie wichtig dieser für die EADS sei. Die EADS plant einen Zusammenschluss bei Kampfflugzeugen mit der italienischen Alenia, die bereits Eurofighter-Partner ist, und will sich auch mit Dassault einigen. Dann würde die EADS nach den Amerikanern zum drittgrößten Kampfflugzeughersteller der Welt aufsteigen. Um Alenia wirbt auch BAE Systems, die bislang in Europa auf diesem Gebiet die Nase vorn haben.



Created: 16.02.2000 Updated: 17.02.2000