Warten auf den Eurofighter

Wie der Fliegerhorst Laage sich vorbereitet

05. 02. 2000 (Quelle: Schweriner Volkszeitung)


Der "Eurofighter" kommt. Das teuerste Rüstungsprojekt in der Geschichte der Bundesrepublik läuft. Im Oktober 2002 landen die ersten Kampfflugzeuge der 4. Generation zu Ausbildungszwecken in Deutschland. Die erste komplette Staffel wird im Fliegerhorst Laage (Landkreis Güstrow) in Mecklenburg-Vorpommern stationiert, auf dem größten Militärflugplatz Deutschlands. Hier sollen später sämtliche Piloten, Mechaniker und technischen Kräfte der Bundeswehr für das neue Waffensystem ausgebildet werden. Im April 2003 sollen die Jets den regulären Dienst aufnehmen.

Knut Rütze, Kommodore des Jagdgeschwaders 73 und Hausherr auf dem Flugplatz Laage, nennt Zahlen: 33 Maschinen sollen bis 2005 in Laage stationiert sein. Bis 2015 wird die Bundeswehr 180 Eurofighter kaufen, zu einem Stückpreis von derzeit 104,5 Millionen Mark. Dazu kommen Investitionen in die Infrastruktur - Hallen, Nachrichtentechnik, Wartungsapparaturen - die derzeit niemand genau beziffern will. Das Flugzeug, kurz "EF 2000" genannt, wird in Laage die in den 50er-Jahren konzipierte F 4 "Phantom" und die aus den Beständen der NVA stammenden MiG 29 ersetzen.

"Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren", sagt Rütze. Der 50-jährige Luftwaffen-Oberst befasst sich bereits mit Stellen- und Ausbildungsplänen, wählt Piloten und Mechaniker aus, die bald zur Umschulung geschickt werden. Zusätzlich koordiniert er die Bauarbeiten auf dem 1200 Hektar großen Flugplatz.

Rentabilität ist trotz der gewaltigen Summen, die Deutschland in Abstimmung mit Großbritannien, Italien und Spanien in das Projekt investiert, kein Fremdwort. Weil das neue Waffensystem weniger aufwendig in der Wartung ist, sollen zehn Prozent der 1700 Beschäftigten in Laage eingespart werden. Längst nicht alle Piloten werden die halbjährige Umschulung absolvieren. Nur wer über genügend "Restdienstzeit" verfügt, darf den Steuerknüppel der EF 2000 bedienen. Für Piloten der Bundeswehr ist im 41. Lebensjahr der Dienst zu Ende. Nur wenige der hoch qualifizierten Männer dürfen länger Kampfjets fliegen. Rütze gehört zu den Ausnahmen.

Dass die neuen Maschinen notwendig sind, steht für den Kommodore außer Frage. "Wer in ein Auto aus den Fünfzigern steigt und es mit einem modernen Mittelklassewagen vergleicht, versteht den Unterschied", sagt Rütze. Bewaffnung, Radar, Leistungsfähigkeit, Umwelt- und Sicherheitsstandards - das vergangene halbe Jahrhundert ist an der Militärtechnik nicht spurlos vorbeigegangen.

Mit den neuen Maschinen werde ein vollkommen anderes Waffensystem in Dienst gestellt, erläutert Rütze. Reichweite von Waffen und Radar, die Kommunikationstechnik und die Satellitennavigation seien neu und auf die neuen, internationalen Aufgaben der Bundeswehr abgestimmt. Rütze: "Notwendig ist der Eurofighter auch, wenn Deutschland weiter als Bündnispartner akzeptiert werden will."



Created: 05.02.2000 Updated: 07.02.2000