Fliegerhorst in Mecklenburg bekommt erste komplette Staffel mit 33 Maschinen
06. 02. 2000 (Quelle: Schweriner Volkszeitung von Klaus Walther)
Die erste komplette Staffel wird im Fliegerhorst Laage (Landkreis Güstrow) stationiert, auf dem größten Militärflugplatz Deutschlands. Hier sollen später sämtliche Piloten, Mechaniker und technischen Kräfte der Bundeswehr für das neue Waffensystem ausgebildet werden.
Knut Rütze, Kommodore des Jagdgeschwaders 73 und Hausherr auf dem Flugplatz Laage, nennt Zahlen. 33 Maschinen sollen bis 2005 in Laage stationiert sein. Bis 2015 wird die Bundeswehr 180 Eurofighter kaufen - zu einem Stückpreis von derzeit 104,5 Millionen DM. Dazu kommen Investitionen in die Infrastruktur - Hallen, Nachrichtentechnik, Wartungsapparaturen - die derzeit niemand genau beziffern will.
Ablösung für Phantoms und MIGs
Das Flugzeug, kurz "EF 2000" genannt, wird in Laage die in den 50-er Jahren konzipierte F4 "Phantom" und die aus den Beständen der NVA stammenden MIG 29 ersetzen.
"Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren", sagt Rütze. Der 50-jährige Luftwaffen-Oberst befasst sich bereits mit Stellen- und Ausbildungsplänen, wählt Piloten und Mechaniker aus, die bald zur Umschulung geschickt werden. Zusätzlich koordiniert er die Bauarbeiten auf dem 1200 Hektar großen Flugplatz. Immerhin: Im April 2003 sollen die EF 2000 den regulären Dienst aufnehmen.
Neues System weniger aufwendig
Daran hat zumindest bisher das Sparpaket der Bundesregierung nichts geändert. Zwar tage die "Zukunftskommission Bundeswehr" noch und werde erst im Mai Empfehlungen vorlegen, sagt Rütze. Mit einer grundsätzlichen Änderung in Sachen Eurofighter rechne er aber nicht.
Rentabilität ist trotz der gewaltigen Summen, die Deutschland in Abstimmung mit Großbritannien, Italien und Spanien in das Projekt investiert, kein Fremdwort. Weil das neue Waffensystem weniger aufwendig in der Wartung ist, sollen von 1700 Beschäftigten in Laage zehn Prozent eingespart werden. Und längst nicht alle Piloten werden die halbjährige Umschulung absolvieren. Nur wer über genügend "Restdienstzeit" verfügt, darf den Steuerknüppel des
EF 2000 bedienen, denn für Piloten der Bundeswehr ist im 41. Lebensjahr der Dienst zu Ende. Nur wenige der hochqualifizierten Männer dürfen länger Kampfjets fliegen - Rütze gehört zu den Ausnahmen.
Leistungsfähiger und auch sicherer
Dass die neuen Maschinen notwendig sind, steht für den Kommodore außer Frage. "Wer in ein Auto aus den Fünfzigern steigt und es mit einem modernen Mittelklassewagen vergleicht, wird den Unterschied verstehen", sagt Rütze. Doch es werde nicht nur Alt gegen Neu getauscht. Bewaffnung, Radar, Leistungsfähigkeit, Umwelt- und Sicherheitsstandards - das vergangene halbe Jahrhundert ist an der Militärtechnik nicht spurlos vorbeigegangen.
Mit den neuen Maschinen werde ein vollkommen anderes Waffensystem in Dienst gestellt, erläutert Rütze. Reichweite von Waffen und Radar, die Kommunikationstechnik und letztlich die Satellitennavigation sind neu und auf die veränderten Aufgaben der Bundeswehr abgestimmt. "Notwendig ist der Eurofighter auch, wenn Deutschland weiterhin als Bündnispartner akzeptiert werden will", meint Rütze. Die Politik habe die Aufgaben der Bundeswehr richtig definiert. Das zeigten die Konflikte der letzten Jahre auf dramatische Weise: der Golfkrieg, die Auseinandersetzungen in Russland und die Kriege in Jugoslawien.