Deutsche Betriebsräte rechnen eher mit einem Personalabbau in Frankreich
16. 10. 1999 (Quelle: Stuttgart Zeitung)
Die Arbeitsplätze bei der Dasa seien ¸¸sicherer als vor der Fusion'', sagte der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats der Daimler-Tochter, Peter Zimmermann. ¸¸Wir haben in den letzten Jahren schon enorm rationalisiert'', meinte der Sprecher des Arbeitskreises der Betriebsräte in Wehrtechnik, Luft- und Raumfahrt, Dieter Rügemer. In Frankreich stehe diese Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit noch aus. Diese Einschätzung teilte auch Dasa-Aufsichtsrat Harald Flassbeck von der IG Metall. ¸¸Das Problem liegt eher auf der französischen Seite,'' sagte Flassbeck. Rügemer ergänzte, es dürfe nicht sein, dass Aufträge, die mit deutschen Steuergeldern bezahlt werden, in Ottobrunn entgegengenommen und in Frankreich abgewickelt werden. Die Betriebsräte forderten, dass ¸¸Bundeskanzler Schröder unsere Standorte genauso gut schützt wie das die Franzosen tun werden''.
Gefährdet sind nach Einschätzung von Belegschaftsvertretern der Dasa französische Arbeitsplätze bei der Produktion von Kampfflugzeugen. Die Franzosen sind in diesem Segment bisher mit dem Kampfflugzeug ¸¸Rafale'' vertreten, während die Dasa für das europäische Gemeinschaftsprogramm ¸¸Eurofighter'' produziert. Beide Kampfflugzeuge könnten nicht gleichzeitig weitergebaut werden. ¸¸Wer die Nase vorn hat, ist klar'', heißt es in München. Die Verkaufszahlen des französischen Flugzeugs seien zu gering. Nach der Abarbeitung der bestehenden Aufträge sei das Schicksal dieses französischen Kampfjets wohl besiegelt. Arbeitnehmervertreter des deutschen Luft- und Raumfahrtunternehmens forderten zudem, auch bei einer Verlagerung des gesellschaftsrechtlichen Sitzes in die Niederlande müssten die deutschen Mitbestimmungsrechte gewahrt bleiben.
Nach Ansicht des Luft- und Raumfahrtkoordinators der Bundesregierung, Siegmar Mosdorf, wird der Zusammenschluss von Dasa und Aérospatiale zur EADS zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. ¸¸Das ist eine Wachstumsfusion'', sagte der Parlamentarische Staatssekretär. Vor allem beim Bau des Airbus A3XX würden neue Stellen entstehen. Eine Entscheidung über den Bau des Großraumflugzeugs werde gemeinsam mit dem britischen Airbuspartner wahrscheinlich schon im Frühjahr fallen. Mosdorf zeigt sich überzeugt davon, dass sich die Briten nicht aus dem Airbus- Konsortium zurück ziehen werden. ¸¸Sie haben dort immer noch 20 Prozent Anteil, und möglicherweise werden sie diesen nicht nur halten, sondern ausbauen'', meinte der Staatssekretär.
Der staatliche spanische Flugzeugbauer Casa soll nach Angaben von Dasa-Chef Manfred Bischoff als nächstes Unternehmen in den Verbund mit Aérospatiale-Matra eingebunden werden. ¸¸Wir sind fest entschlossen, die Casa voll in diese neue Gruppe zu integrieren'', sagte Dasa-Chef Manfred Bischoff am Freitag in Madrid. Dies solle auf der Grundlage der im Juni beschlossenen Grundsatzvereinbarung geschehen. Nun müssten die damals getroffenen Vereinbarungen so rasch wie möglich umgesetzt werden. Der Präsident der spanischen Staatsholding Sepi, Pedro Ferreras, begrüßte die Fusion von Dasa und Aérospatiale-Matra. Er räumte aber ein, dass sich die Beteiligung der Sepi als Hauptaktionär von Casa wegen der Einbeziehung des französischen Partner verringern werde. Bisher war vereinbart, dass die Sepi 12,5 Prozent an der Allianz aus Dasa und Casa halten werde. Über die Gespräche der Dasa mit Aérospatiale-Matra sei Spanien von Beginn an auf dem Laufenden gehalten worden, sagte Ferrreras.