Schrempp feiert Fusion als seinen Erfolg

Zusammenschluss von Dasa und Aérospatiale Matra - DaimlerChrysler konzentriert sich aufs Kerngeschäft

15. 10. 1999 (Quelle: Stuttgarter Nachrichten)


Mit der Fusion von Dasa und Aérospatiale Matra entsteht der größte europäische Luft- und Raumfahrtkonzern. DaimlerChrsyler-Chef Jürgen Schrempp kann damit nach etlichen firmeninternen Problemen endlich wieder einen Erfolg vorweisen.

Ein Jahr lang hat sich die DaimlerChrysler AG scheinbar fast nur mit sich selbst beschäftigt und einen Großteil der Kärrnerarbeit erledigt, die nach der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler nötig war. Erst vor kurzem hat Firmenchef Jürgen Schrempp diese Phase für beendet erklärt und betont, nun werde wieder auf die Tube gedrückt, um den Konzern nach vorne zu bringen. Kurze Zeit später verkleinerte DaimlerChrysler den Konzernvorstand von 17 auf 14 Mitglieder. Und nun ließ Schrempp die nächste Bombe platzen: Die Konzerntochter Dasa, deren Chef er selbst bis 1995 war, soll mit der französischen Aerospatiale Matra zum größten europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern fusionieren.

Die Ziele von DaimlerChrysler hat Schrempp immer wieder bekräftigt: Der Konzern solle das ¸¸weltweit führende Automobil-, Transport- und Dienstleistungsunternehmen im 21. Jahrhundert sein'', erklärte er immer wieder. Nach der komplizierten Zusammenführung der Industriegiganten Daimler-Benz und Chrysler binnen eines einzigen Jahres deutete er vor einem Monat an, dass nun wieder neue Umstrukturierungen anstünden: ¸¸Der Merger von Daimler-Benz und Chrysler ist Geschichte. Nun ist es Zeit, wieder schneller voranzukommen'', hatte er damals gesagt. Allen Konzernsparten gab er vor, in ihrem jeweiligen Segment mindestens so schnell zu wachsen wie der Markt und auch beim Ertrag Spitzenpositionen einzunehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, hatte DaimlerChrysler Kooperationen, Zukäufe oder Zusammenschlüsse in einzelnen Bereichen nicht ausgeschlossen.

In der Luft- und Raumfahrtindustrie Europas zeichnete sich bereits seit längerem ein Zusammenrücken ab. Der hohe Anteil des französischen Staates von 48 Prozent an Aérospatiale galt lange Zeit als ein Hindernis dafür. An der neuen European Aeronautic, Defense and Space Company (EADS) soll Frankreich nun nur noch 15 Prozent der Anteile halten, was auch die Bundesregierung als zufriedenstellend bezeichnete. Zudem gilt der Zusammenschluss von Dasa und Aérospatiale mit einem Umsatz von zusammen rund 40 Mrd. DM in Branchenkreisen auch als Durchbruch, das Firmenkonsortium des Flugzeugherstellers Airbus zu einem schlagkräftigen Unternehmen umzubauen.

Angesichts des neuen Paukenschlags lobt Schrempp sich und sein Unternehmen denn auch mit den Worten, auch in der Luft- und Raumfahrtindustrie bei der anstehenden Konsolidierung die treibende Kraft zu sein - ebenso wie in der Autoindustrie, wo Schrempp mit der Mega-Fusion zur DaimlerChrysler AG vor einem Jahr die gesamte Branche in Aufruhr versetzt hat.

Noch ein weiteres Ziel soll der Zusammenschluss von Dasa und Aerospatiale bringen, das Schrempp sich und der DaimlerChrysler- Führung als Leitlinie verordnet hat: den Wert des Unternehmens DaimlerChrysler zu steigern. Schrempp hofft also offenbar, dass ein zusammengefasstes Unternehmen EADS dem Konzern mehr Ertrag einbringt als die Dasa alleine, die 1998 mit 623 Mio. Euro gut sieben Prozent zum operativen Gewinn des Konzerns beigesteuert hat. Bei DaimlerChrysler heißt es zudem, Luft- und Raumfahrtfirmen würden an der Börse in der Regel höher bewertet als Automobilhersteller. Die EADS soll börsennotiert sein, und DaimlerChrysler wird mit indirekt 30 Prozent der größte Anteilseigner an dem Konzern werden.

DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp zeigt sich zudem zuversichtlich, dass auch die spanische Gesellschaft Casa in das Fusionsvorhaben von Dasa und Aerospatiale-Matra eingebunden wird. Im Vorfeld der deutsch-französischen Fusion hatte Dasa lange Zeit mit der Casa, die auch am Airbus-Konsortium beteiligt ist, über ein Zusammengehen verhandelt. Bereits am Freitag will Dasa-Chef Bischoff nach Madrid reisen, um unter den neuen Voraussetzungen mit den Spaniern zu verhandeln.

Mit der Fusion geht Schrempp im Übrigen einen weiteren Schritt auf dem Weg, DaimlerChrysler schlank und schlagkräftig zu machen: Die Dasa stammt noch aus den Zeiten seines Vorgängers Edzard Reuter, der mit dem Kauf vieler Firmen wie MBB, Dornier und AEG Daimler-Benz zu einem integrierten Technologiekonzern machen wollte. Schrempp kehrte nach seinem Amtsantritt 1995 die Strategie um und stutzte Daimler-Benz zunehmend auf die wichtigste Kernkompetenz - den Automobilbau, Transport und dazugehörige Dienste - zurück.

Christian Breitsprecher vom zur Deutschen Bank gehörenden Analysehaus Morgan Grenfell sieht deswegen in der Dasa/Aérospatiale-Fusion nichts anderes, als DaimlerChrysler weiter auf das Kerngeschäft der Automobile zu konzentrieren. Der Einfluss von DaimlerChrysler bei der EADS werde begrenzt sein, der Anteil werde eigentlich nur noch eine Finanzbeteiligung sein. ¸¸EADS wird ein eigenständiges Unternehmen'', sagte Breitsprecher. Ähnlich werde es sicher der Verluste schreibenden Bahntechnik-Tochter Adtranz gehen, sobald die Sanierung abgeschlossen sei. ¸¸Für Adtranz wird Schrempp sicher eine ähnliche Lösung finden wollen, wenn die Braut schön ist'', sagte Breitsprecher.



Created: 17.10.1999 Updated: 17.10.1999