.weltverbesserer im netz
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"Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern!" Unverbesserlicher Gutmensch oder pragmatischer Kämpfertyp? Beides, sagt Norbert. Er glaubt an die Chance, mit Hilfe des Internets die Welt ein bisschen besser zu machen.








Reizvolle "Anonymität"

Der Gründer von "BessereWeltLinks.de" bzw. "Norbert's Bookmarks für engagierte Leute" möchte unerkannt bleiben. Weil er nicht mit Anrufen von "Radikalen und Verrückten" belästigt werden möchte. Um sich beruflich den Rücken freizuhalten. Und "weil es reizvoll ist, aus der Anonymität das Wachstum der Seiten zu beobachten".

Dr. Norbert, Arzt an einem deutschen Krankenhaus, hat teilweise ein zwiespältiges Verhältnis zu seiner Internetseite. Einerseits ist er stolz auf die Sammlung, die sich in den vergangenen fünf Jahren auf 30.000 Links verhundertfacht hat. Andererseits sieht der "Cyberritter", wie er sich selbst nennt, welche Probleme damit verbunden sein könnten: Wer in der Rubrik "Unterstützenswerte Initiativen" z.B. auf die "Rote Hilfe" verlinkt, ist in der Gefahr, auf den schwarzen Listen der Rechtsextremen zu landen, die im Internet mindestens so gut organisiert sind wie die Linken.

Und dann ist da noch die Karriere. Er liebt seinen Beruf als Arzt und Forscher und will deshalb auch die Homepage nicht hauptberuflich weiterführen. Seine gesellschafts-politischen Seiten sind sein Hobby.

Tibet und Eurofighter gaben Anstoss
Das Studium gab dem Mediziner Gelegenheit, sich mit den Themen Frieden, Umwelt, Menschenrechte und Dritte Welt näher auseinanderzusetzen. Er wurde Mitglied der "Ärzte gegen Atomkrieg", verweigerte den Kriegsdienst aus Gewissensgründen und engagierte sich in den 80er Jahren gegen die "NATO-Nachrüstung". Später, bereits im Beruf, schnupperte er bei Greenpeace, Amnesty International und der Deutschen Friedensbewegung herein. Die Menschenrechtsverletzungen Chinas in Tibet und die friedliche, buddhistische Geisteshaltung der Tibeter berührten ihn dabei besonders.

In der Eurofighter-Kampagne engagierte er sich 1996 bis 98 aktiv, weil er sich über die "Zensur" durch die Presse ärgerte und ein Nachlassen der Bürgerbewegung beobachtete. Er recherchierte wochenlang, was man mit den 30 Milliarden Mark, die das Rüstungsprojekt kosten sollte, alles anfangen könnte: Zum Beispiel 50 Jahre lang die Arbeit der Weltgesundheits-organisation WHO bezahlen.

Neues Betätigungsfeld
Die Arbeit in Nicht-Regierungs-Organisationen und mit Parteien, zuletzt in der Eurofighter-Kampagne, hatte Dr. Norbert eher "enttäuscht": Sie seien unverzichtbar, arbeiteten aber teilweise nicht effektiv genug, zu wenig öffentlichkeitswirksam und zu selten zusammen. Im Internet fand er das Feld, auf dem er sich unabhängig von Organisationen und Parteien wirkungsvoll einbringen konnte. Dabei gilt für seine Seiten: "Alle Links sind handverlesen, und grundsätzlich gewaltlos, ausgewogen und nichtkommerziell."

Lesen Sie hier, was der Kommunikationswissenschaftler Bernhard Debatin zum Thema NGOs und Internet sagt.

"Ich mache BessereWeltLinks.de auch deshalb, weil es kein anderer tut", sagt Norbert, "Mit der Linkliste kann man mit wenig Aufwand viel Gutes erreichen". Aus seinem Hängemappen-Archiv wurde so im Laufe der Zeit ein elektronischer Katalog: Zugänglich ohne großen Aufwand, überall auf der Welt. Rund 100.000 Nutzer verzeichnet er im Monat auf den Seiten, die Erwin Eisenhardt seit Jahren professionell betreut.

Zweimal ausgezeichnet
Dass er für seine Arbeit keinerlei ideelle oder finanzielle Unterstützung von Parteien oder Stiftungen bekommt, ärgert Norbert schon. Immerhin wurde die Seite schon zweimal mit dem Comenius-Gütesiegel für gelungene audiovisuelle Bildungsmedien ausgezeichnet. So finanziert er seine Arbeit einfach selbst und ist froh, dass der Zugang zum Internet in den letzten Jahren so billig geworden ist: Anfangs hatte er nicht selten eine Telefon-rechnung von über 1000 Mark im Monat.

Da Dr. Norbert für seinen Beruf viel Zeit braucht, ist Mithilfe bei dem Projekt jederzeit willkommen.

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